Welcher Trainer passt zu dir und deinem Pferd?
Aktualisiert: 5. Okt.

Wenn du dir die vier Trainer auf dem Bild anschaust: Welchen würdest du für dich und dein Pferd auswählen?
Ich vermute, für viele von euch ist die Antwort ziemlich schnell klar. Ein Trainer, der extrem streng ist, viel Druck macht und bei dem das Pferd vor allem funktionieren soll, wird für die meisten, die hier mitlesen, vermutlich nicht infrage kommen. Also eigentlich ganz einfach, oder?
Nicht ganz.
Denn in der Realität stehen wir meistens nicht vor der Wahl zwischen einem Trainer, dessen Umgang mit Pferden überhaupt nicht zu unseren Werten passt, und einem Trainer, bei dem einfach alles stimmt. Die Unterschiede sind oft viel feiner. Vielleicht stehen da vier Trainer, die alle respektvoll mit Pferden umgehen. Alle vier haben Erfahrung. Alle vier wollen Pferd und Mensch weiterhelfen. Und trotzdem würden sie dir möglicherweise vier unterschiedliche Antworten auf dieselbe Frage geben.
Vier Trainer – vier Antworten
Stell dir vor, dein Pferd bleibt beim Führen immer wieder stehen und möchte nicht weitergehen. Du fragst vier Trainer um Rat.
Der erste schaut vor allem auf deine Technik: Wo stehst du? Wie führst du? Wie eindeutig ist dein Signal? Stimmt dein Timing?
Der zweite gibt dir eine konkrete Übung, mit der ihr an Vorwärts, Reaktion und Orientierung arbeiten könnt.
Der dritte beobachtet zunächst dein Pferd: Wann genau bleibt es stehen? Was passiert unmittelbar davor? Ist es unsicher, überfordert, abgelenkt oder körperlich vielleicht gar nicht in der Lage, die Aufgabe so auszuführen, wie du es erwartest?
Und der vierte schaut stärker auf euch als Paar: Wie klar bist du in diesem Moment? Was passiert bei dir, wenn dein Pferd stehen bleibt? Wirst du unsicher, ungeduldig oder machst du unbewusst mehr Druck?
Wer von den vier hat jetzt recht?
Vielleicht alle vier. Denn jeder schaut aus einer anderen Perspektive auf dieselbe Situation. Und genau da wird Trainerwahl interessant.
Es geht nicht nur darum, ob ein Trainer „gut“ oder „schlecht“ ist
Natürlich gibt es für mich Grenzen. Wenn ein Trainingsansatz meinen grundsätzlichen Werten widerspricht, wenn mit Angst, Einschüchterung oder unangemessenem Druck gearbeitet wird, muss ich nicht lange darüber nachdenken, ob dieser Trainer zu mir passt. Aber innerhalb dessen, was für mich grundsätzlich vertretbar ist, gibt es sehr viele unterschiedliche Wege. Und da finde ich es wichtig, dass wir als Pferdebesitzer unsere eigene Meinung nicht an der Reitplatztür abgeben. Ein Trainer bringt Fachwissen und Erfahrung mit. Genau deshalb hole ich ihn schließlich dazu.
Aber ein Trainer sieht immer nur einen Ausschnitt. Er bringt seine Erfahrungen, seine Ausbildung, seinen Schwerpunkt und auch seine persönliche Sichtweise mit.
Deshalb darf ich zuhören und gleichzeitig hinterfragen:
Warum soll ich diese Übung machen?
Was soll mein Pferd dabei lernen?
Wie reagiert mein Pferd darauf?
Passt dieser Weg zu meinem Pferd?
Und kann ich ihn selbst überhaupt gut umsetzen?
Ich schaue mir gerne unterschiedliche Trainer an
Ich persönlich finde es spannend, verschiedene Trainer und Trainingsansätze kennenzulernen. Nicht mit dem Ziel, irgendwann die eine Methode zu finden, nach der ich von da an alles mache. Sondern weil ich aus unterschiedlichen Ansätzen etwas lernen kann. Ich höre zu. Ich schaue hin. Ich probiere aus. Ich hinterfrage. Und ich nehme mir das heraus, was zu mir und zu meinem jeweiligen Pferd passt.
Dabei darf ich auch sagen:
„Das finde ich interessant – aber dieser Teil passt nicht zu uns.“
Oder:
„Bei diesem Pferd funktioniert das wunderbar. Bei meinem anderen würde ich es anders machen.“
Für mich ist genau das ein wichtiger Teil davon, mit Pferden zu lernen. Nicht einfach Methoden zu übernehmen, sondern immer besser beurteilen zu können, wann etwas sinnvoll ist und wann nicht.
Vielleicht brauchst du auch gar nicht den einen Trainer
Und dann kommt noch ein Gedanke dazu, den ich wichtig finde:
Warum sollte ein Trainer eigentlich alles gleich gut können?
Wenn ich beim Reiten Schwierigkeiten mit meinem Sitz habe, brauche ich vielleicht jemanden, der genau darin seine Stärke hat.
Wenn ich Bodenarbeit machen möchte, mir aber regelmäßig die Ideen ausgehen, brauche ich vielleicht jemanden, der mir Übungen zeigt, Trainingsaufbauten entwickelt und mir hilft, einen roten Faden in meine Einheiten zu bekommen.
Wenn mein Pferd große Schwierigkeiten hat in den Pferdeanhänger zu gehen, kann es sinnvoll sein, jemanden dazu zu holen, der sehr viel Erfahrung mit Verladetraining hat.
Und wenn ich vielleicht mal Handarbeit machen möchte, dann gibt es da vielleicht auch jemanden, der hier eine spezielle Expertise hat und mich und mein Pferd weiterbringen kann.
Ich muss also nicht zwingend den einen Trainer fürs Leben finden. Unterschiedliche Menschen können unterschiedliche Stärken haben. Entscheidend ist für mich, dass die grundlegenden Werte zusammenpassen und die verschiedenen Ansätze sich nicht ständig widersprechen.
Und dann ist da noch dein Pferd
Denn selbst ein guter, fairer und fachlich sinnvoller Trainingsansatz passt nicht automatisch zu jedem Pferd. Das eine Pferd ist neugierig und möchte sofort ausprobieren. Ein anderes beobachtet erst einmal und braucht Zeit. Das eine Pferd versteht sehr schnell, was wir von ihm möchten, wird aber genauso schnell gelangweilt.
Ein anderes braucht viele Wiederholungen und Sicherheit, bevor es sich auf etwas Neues einlassen kann. Manche Pferde reagieren auf sehr feine Veränderungen. Andere brauchen zunächst deutlichere Orientierung. Was bei Pferd A wunderbar funktioniert, kann Pferd B verunsichern oder überfordern.
Meine Erfahrung hat gezeigt, dass vor allem die ganz sensiblen Pferde oft schnell überfordert sind mit einem Trainer. Viele kommen mit solchen Pferden nicht klar. Wenn schnell der Druck zu Angst beim Pferd führt, wenn die Trainingsschritte wirklich klein sein müssen um nicht zu überfordern, dann sehen das viele Trainer nicht oder können nicht gut damit umgehen.
Deshalb reicht für mich die Frage „Ist das eine gute Trainingsmethode?“ eigentlich nicht aus. Ich möchte zusätzlich wissen: „Passt dieser Ansatz zu diesem Pferd?“
Und passt er auch zu dir?
Denn auf der anderen Seite des Stricks steht ebenfalls eine Persönlichkeit. Auch wir Menschen lernen unterschiedlich. Manche brauchen einen klaren Plan und konkrete Übungen. Andere möchten erst verstehen, warum etwas funktioniert. Manche können sehr schnell reagieren und haben ein gutes Timing. Andere müssen Bewegungsabläufe erst einige Male üben, bevor sie sich natürlich anfühlen. Manche Menschen sind sehr fein in ihrer Körpersprache. Andere sind dafür hervorragend darin, Strukturen einzuhalten und ihrem Pferd Sicherheit durch Wiederholungen zu geben. Deshalb kann eine Methode für ein Pferd theoretisch wunderbar geeignet sein – und trotzdem für dieses Mensch-Pferd-Paar nicht funktionieren. Denn der Mensch muss sie ebenfalls verstehen und umsetzen können.
Und genau deshalb finde ich es problematisch, wenn wir nur fragen: „Welche Methode funktioniert?“ Eigentlich müssten wir fragen: „Was funktioniert für dieses Pferd mit diesem Menschen?“
Hier kommt für mich der Pferde-Kompass ins Spiel
Dieser Gedanke steckt auch hinter meinem Pferde-Kompass. Dabei geht es nicht darum, ein Pferd in eine Schublade zu stecken und anschließend eine fertige Trainingsanleitung auszugeben. Im Gegenteil. Der Pferde-Kompass soll helfen, genauer hinzuschauen. Wie begegnet mein Pferd neuen Situationen? Wie verarbeitet es Informationen? Was motiviert es? Wie selbstständig ist es? Wie reagiert es auf Unsicherheit? Wie viel Orientierung sucht es beim Menschen? Je besser ich mein Pferd kenne, desto besser kann ich auch beurteilen, welche Trainingsansätze für uns sinnvoll sein könnten. Der Pferde-Kompass soll deshalb nicht die nächste Methode sein.
Er soll dir helfen, Methoden, Übungen und Empfehlungen besser einordnen zu können.
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Im Pferde-Kompass erfährst du:
- welche Persönlichkeitstypen dein Pferd prägen
- was diese Kombination für sein Verhalten bedeutet
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Der Trainer darf Experte sein – die Verantwortung bleibt bei dir
Für mich bedeutet das nicht, dass wir Trainerwissen infrage stellen müssen, nur weil uns etwas nicht gefällt. Ein guter Blick von außen ist unglaublich wertvoll. Manchmal erkennt ein Trainer etwas, das wir selbst überhaupt nicht mehr sehen. Manchmal brauchen wir jemanden, der uns korrigiert.
Und manchmal brauchen wir auch jemanden, der uns sagt: „Probier es einmal anders.“ Aber die Verantwortung dafür, welchen Weg wir mit unserem Pferd gehen, können wir nicht an einen Trainer abgeben. Wir dürfen lernen, uns beraten lassen, ausprobieren und unsere Meinung verändern. Und wir dürfen gleichzeitig unser Pferd beobachten und uns selbst immer wieder fragen: Passt das zu uns?
Vielleicht ist deshalb am Ende gar nicht die entscheidende Frage:
„Welcher Trainer hat recht?“
Sondern:
„Was davon hilft meinem Pferd und mir wirklich weiter?“
Und vielleicht ist genau das eines der wichtigsten Ziele eines guten Trainers:
Dass du ihn irgendwann ein kleines bisschen weniger brauchst, weil du gelernt hast, dein Pferd besser zu verstehen und immer mehr Entscheidungen selbst zu treffen.
Herzliche Grüße
Julia








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