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Warum ich keine Trainingsszenen filme und veröffentliche


Immer wieder werde ich gefragt, warum ich keine Trainingsvideos aus meiner Arbeit mit Pferden veröffentliche. Schließlich sieht man heute überall kurze Trainingsausschnitte, Vorher-Nachher-Sequenzen oder spektakuläre Fortschritte auf Social Media.


Das ist ganz einfach erklärt: Weil mir im Training etwas anderes wichtiger ist.


Meine Aufmerksamkeit gehört dem Pferd – nicht der Kamera


Wenn ich mit einem Pferd und seinem Menschen arbeite, möchte ich zu 100 % bei ihnen sein. Meine Aufmerksamkeit gehört den kleinen Signalen des Pferdes, den Emotionen und der Dynamik zwischen beiden. Dort entsteht die Entwicklung und Veränderung.


Eine Kamera verändert für mich diese Situation.


Denn sobald gefilmt wird, laufen bei mir automatisch Gedanken mit: Bin ich gut im Bild? Kann man das später erkennen? Stehe ich richtig? Ist der Winkel passend? Versteht man, was gerade passiert?


Vielleicht funktioniert das für andere Trainer wunderbar – ich persönlich schaue mir auch gerne Trainingssituationen an. Aber ich kann als Trainerin manchen Situationen auch anders einordnen. Mich selber lenkt es zu stark ab. Und diese Ablenkung möchte ich im Training bewusst vermeiden.


Pferdetraining ist niemals eine Schablone


Ein weiterer Grund ist mir mindestens genauso wichtig:

Pferdetraining ist individuell.


Jedes Pferd bringt seine eigene Geschichte, Persönlichkeit und Herausforderung mit. Jeder Mensch bringt eigene Erfahrungen, Unsicherheiten, Erwartungen und Ziele mit. Und jede Situation verlangt etwas anderes.


Selbst mit demselben Pferd funktioniert nicht immer dieselbe Herangehensweise. Was gestern hilfreich war, kann heute unpassend sein. Was einem Pferd Sicherheit gibt, kann ein anderes überfordern.


Deshalb starte ich selten zweimal exakt gleich in ein Training.


Warum Trainingsvideos oft missverstanden werden


Wenn ich eine Trainingsszene filmen würde, dann zeigt diese Aufnahme immer nur einen einzigen Moment: genau dieses Pferd, diesen Menschen, diese Stimmung und diese konkrete Herausforderung.


Das Problem: Videos wirken oft allgemeingültig.


Wer eine Sequenz sieht, denkt schnell: „Ah, so macht man das also.“ Und versucht vielleicht, genau dieses Vorgehen zu übernehmen.


Doch Training ist kein Rezept.


Was bei einem Pferd funktioniert, muss beim nächsten noch lange nicht passen. Genau deshalb halte ich wenig davon, einzelne Trainingssituationen als allgemeingültige Lösung darzustellen.


Videos zeigen oft nur einen Ausschnitt der Wahrheit


Vor Kurzem hatte ich ein Gespräch bei einem Kunden. Er fragte mich, wie ich es sehen würde, wenn ein Verladetraining innerhalb eines einzigen Tages stattfinden würde. Ob das nicht viel zu intensiv sei und man ein Pferd nicht besser langsam über einen längeren Zeitraum an den Anhänger gewöhnen sollte.


Der Hintergrund seiner Frage war ein Video, das er gesehen hatte: Ein Pferd, das zu Beginn nicht in den Anhänger ging – und am Ende des Tages entspannt darin stand.


Das ist das Problem von Trainingsvideos.


Das Video war ein Zusammenschnitt eines kompletten Trainingstags. Was man in solchen Sequenzen normalerweise nicht sieht sind Pausen, kleine Zwischenschritte, Rückschritte, Denkzeiten oder ruhige Momente. Das wird selten gezeigt. Verständlich – schließlich soll ein Video kurz und spannend sein.


Dadurch entsteht schnell ein falscher Eindruck.


Es wirkt, als würde ein Pferd innerhalb weniger Stunden „funktionieren“ oder als sei das Ziel erreicht. Dabei ist die Realität viel differenzierter.


Natürlich möchte und muss ein Trainer etwas bewegen, wenn er zu einem Training gerufen wird. Menschen holen sich Unterstützung, investieren Zeit und Geld – und wünschen sich verständlicherweise Entwicklung und Fortschritte. Ein erster Erfolg an einem Trainingstag kann deshalb wichtig sein.


Doch das bedeutet nicht, dass damit alles abgeschlossen ist. Gerade beim Verladetraining ist ein entspannter Moment im Anhänger nicht automatisch gleichbedeutend mit entspanntem Verladen in Zukunft.


Ein Trainingstag kann ein wichtiger Anfang sein – aber danach beginnt oft erst die eigentliche Entwicklung. Es braucht Wiederholungen, Sicherheit, Vertrauen, passende Pausen und ein schrittweises Weiterarbeiten im Alltag.


Trainingsvideos zeigen häufig nur das Ergebnis oder einen kleinen Ausschnitt – nicht aber den gesamten Prozess dahinter.


Mir geht es um Verständnis statt Nachmachen


Mir ist wichtig, dass Menschen verstehen lernen, warum etwas funktioniert – nicht nur wie etwas in genau einer Situation gemacht wurde.


Echte Entwicklung entsteht nicht dadurch, Bewegungen zu kopieren. Sie entsteht, wenn wir lernen, unser eigenes Pferd besser zu lesen, Situationen einzuordnen und passend zu reagieren.


Deshalb habe ich mich bewusst dagegen entschieden, Trainingsszenen zu filmen und zu veröffentlichen.


Was ich aber weiterhin teilen werde, sind Gedanken, Erfahrungen, Hintergründe und praktische Impulse, die euch im Alltag mit eurem Pferd helfen können – zum Nachdenken, Verstehen und Weiterentwickeln.


Du möchtest Unterstützung mit deinem Pferd?


Vielleicht stehst du gerade an einem Punkt, an dem du dir mehr Klarheit im Training wünschst. Vielleicht gibt es Missverständnisse, Unsicherheiten oder Situationen, bei denen du merkst: Alleine komme ich gerade nicht weiter.


Genau dafür begleite ich Mensch-Pferd-Teams individuell.


Nicht nach Schema F, sondern passend zu euch, eurem Pferd und eurer aktuellen Situation. Gemeinsam schauen wir hin, verstehen Zusammenhänge und entwickeln einen Weg, der sich für euch stimmig anfühlt.


Du möchtest herausfinden, was dein Pferd gerade wirklich braucht und wie ihr entspannter miteinander wachsen könnt? Dann melde dich gerne bei mir für eine individuelle Begleitung. Persönlich oder online.


Und wenn du Lust jemanden kennst, der auch Tipps möchte oder sich eine Begleitung wünscht, dann darfst du mich und meinen Newsletter gerne weiterempfehlen.


Ich freue mich auf dich und dein Pferd.

Herzliche Grüße

Julia

 
 
 

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