Wenn Horsemanship seinen Namen verliert und warum wir noch klarer für unsere Pferde einstehen sollten.
- Julia Thaidigsmann
- vor 6 Tagen
- 3 Min. Lesezeit

Gestern hatte ich ein Gespräch mit einer Kundin, das mich innerlich sehr bewegt hat – und das auch heute noch nachhallt.
Sie erzählte mir von einem Trainer, den sie vor ein paar Jahren zu sich geholt hatte. Er bot Verladetraining an. Allein hatte sie sich das mit ihrem Pferd nicht zugetraut, also hat sie sich Hilfe gesucht. Für mich ist das grundsätzlich etwas sehr Positives: Sie hat ihre eigene Grenze erkannt und Verantwortung übernommen.
Der Trainer arbeitete unter dem Begriff „Horsemanship“. Zumindest nannte er es so.
Wenn Druck als Beziehung verkauft wird
Das Training sah folgendermaßen aus: Das Pferd bekam eine Kinnkette aus Metall und wurde ausschließlich über Druck und Zwang verladen.
Kein Raum zum Verstehen. Keine Entspannung. Kein Vertrauensaufbau.
Nur Druck.
Während sie mir davon erzählte, habe ich gemerkt, wie sehr mich das innerlich trifft. Nicht nur, weil ich diese Art von Training furchtbar finde – sondern weil solche Erlebnisse weitreichende Folgen haben.
Warum Horsemanship heute oft einen schlechten Ruf hat
Wenn ich solche Geschichten höre, fällt es mir ehrlich gesagt immer schwerer zu sagen, dass ich Elemente aus dem Horsemanship in meinem Training nutze.
Zu oft wird dieser Begriff inzwischen mit Gewalt, Dominanz und „das Pferd muss da jetzt durch“ verbunden.
Das ist nicht das, wofür ich stehe.
Für mich bedeutet Horsemanship:
ein friedvolles Miteinander
echtes Zuhören und feine Signale wahrnehmen
ein Pferd, das mir vertraut, weil ich ehrlich und authentisch bin
ein Pferd, das sich mir anschließt, weil ich klar, fein, achtsam und partnerschaftlich kommuniziere
Ich wünsche mir, dass wir wieder genauer hinschauen, was wir unter diesen Begriffen verstehen – und wem wir unser Pferd anvertrauen.
„Eigentlich hätte ich abbrechen müssen“
Ein Satz meiner Kundin hat sich besonders in mir festgesetzt:
„Eigentlich hätte ich das Training abbrechen müssen.“
Aber sie hat es nicht getan. Das Geld war ja schon bezahlt.
Am Ende war das Geld weg – und zurück blieb ein verängstigtes, verunsichertes Pferd, das erst einmal wieder Vertrauen fassen musste.
Warum fällt uns das so schwer?
Weil viele von uns so erzogen wurden. Weil viele von uns gelernt haben, dass Nein sagen unbequem ist. Nein sagen fühlt sich unangenehm an. Wir wollen nicht unhöflich sein und wir wollen nicht anecken. Wir wollen niemanden vor den Kopf stoßen und wir haben gelernt Autoritäten nicht infrage zu stellen.
Aber hier geht es nicht um Höflichkeit. Es geht um Verantwortung. Und unsere Pferde brauchen genau das von uns.
Wir sind die Stimme unserer Pferde
Unsere Pferde können nicht sagen: „Stopp, das ist mir zu viel.“
Wir müssen es für sie tun.
Egal ob es um Trainer, Tierärzte, Reitlehrer oder Hufschmiede geht – wenn sich etwas nicht richtig anfühlt, dürfen wir eingreifen. Auch dann, wenn es unangenehm ist. Auch dann, wenn es Geld kostet.
Denn wir tragen die Verantwortung.
Warum mir das Kennenlernen so wichtig ist
Wenn ich eine Anfrage von neuen Kundinnen oder Kunden bekomme, biete ich immer ein erstes Kennenlerngespräch an.
Nicht, weil ich neugierig bin – sondern weil ich weiß, wie wichtig die Chemie zwischen Mensch, Pferd und Trainer ist.
Mein Ziel ist es nicht, einmal für einen Kurs vorbeizukommen und wieder zu gehen.
Mein Ziel ist eine längerfristige Trainingspartnerschaft, in der Vertrauen wachsen darf und nachhaltige Veränderungen möglich werden.
Wenn du dich angesprochen fühlst
Wenn du dir für dein Pferd einen achtsamen, fairen und partnerschaftlichen Weg wünschst und mich gerne persönlich kennenlernen möchtest, dann schreib mir.
Ich freue mich darauf, dich und dein Pferd ein Stück begleiten zu dürfen.
Herzliche Grüße
Julia







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